NIEMAND FLIEHT AUS ÜBERMUT


"Aber wir wanderten doch nicht aus,
nach freiem Entschluss,
wählend ein anderes Land.
Wanderten wir doch auch nicht
ein in ein Land, dort zu bleiben,
womöglich für immer.
Sondern wir flohen,
vertrieben sind wir, Verbannte.
Und kein Heim, kein Asyl soll

das Land sein, das uns da aufnahm."

Bertolt Brecht

Warum Menschen fliehen:

  • weil sie in ihrer Heimat verfolgt und bedroht werden, auch von den dortigen staatlichen Behörden

  • weil sie gefoltert und erpresst und in ihren elementaren Menschenrechten verletzt werden

  • weil ihre Lebensgrundlage und wirtschaftliche Existenz durch unmenschliche Regime und Gewaltherrschaften vernichtet werden

  • weil Naturkatastrophen ihre Lebensgrundlagen zerstören

  • weil Krieg, Bürgerkrieg und allgemeine Not in ihren Heimatländern herrschen

  • weil man ihnen falsche Versprechungen gemacht hat, an die sie sich in ihrer Not wie an einen Strohhalm geklammert haben


Unsere Vision:

  • dass unser Land ein weltoffenes und gastfreundliches Land bleibt

  • dass die Sorge um das eigene Wohl den Blick für die Not des Andern nicht verstellt

  • dass Fremde in unserem Land so behandelt werden, wie wir im Ausland behandelt werden möchten

  • dass jede(r), der oder die in unserem Land Schutz sucht, nicht als Nummer, sondern als Mensch mit Hoffnungen und Ängsten wahrgenommen wird

  • dass nicht billige Stammtischparolen, sondern objektive Information über die Hintergründe der Flucht die öffentliche Meinung prägen

  • dass nicht die Angst vor dem Unbekannten, sondern das Interesse an der Bereicherung durch den Anderen unser (Zusammen-)Leben bestimmt
     

Der Auftrag unserer Verfassung:

Aus der leidvollen Geschichte unseres eigenen Volkes wissen wir, was Verfolgung, Vertreibung und Flucht bedeuten. Nach den Erfahrungen des Dritten Reiches haben die „Väter“ unseres Grundgesetzes das Asylrecht an zentraler Stelle unserer Verfassung verankert. Aber das Bewusstsein für die Würde und Schutzwürdigkeit des Flüchtlings droht in unserem Land über der Sorge um das eigene Fortkommen zu verblassen. Die restriktive Auslegung des Asylrechts hat zudem seinen ursprünglichen Sinn verdunkelt. Umso mehr braucht es Menschen, die sich aktiv für ein Klima der Offenheit, der Fairness und des Verständnisses gegenüber Flüchtlingen und Asylbewerbern in unserem Land einsetzen – Menschen, die sich für deren persönliche Not interessieren und sich um Hilfe bemühen.

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